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38. Erzgebirgs Rundfahrt

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Nach dem Auftakt in Düren vor einigen Wochen, wurde am Sonntag im Erzgebirge um die nächsten Punkte in der Radbundesliga gekämpft. Die Motivation für diesen Tag hatte sich bei mir schon über die letzten Wochen angesammelt. Der Kurs, den wir als Team ja bereits im April im Training erkundeten, bot mit 20 Anstiegen und 3000hm verteilt auf 164km viele Möglichkeiten zur Attacke.

Sofort nach dem Start entbrannte ein offensives Radrennen in dem etliche Fahrer die Flucht nach vorne suchten. Bereits nach 16 km bretterte ich nach einer kleinen Holzbrücke durch ein tiefes Schlagloch. Mit einem kaputten Hinterrad stand ich nun am Beginn des 6km langen Anstieg zur 1. Bergwertung. Unser Materialwagen war aufgrund der bisherigen Streckenführung bei weitem nicht sichtbar. Doch dann kam Toni zu mir an den Straßenrand und opferte seine Chancen, in dem er mir sein Hinterrad gab. Mit schleifender Bremse und nicht funktionierender Schaltung konnte ich das Rennen zunächst fortsetzen und mit hohem Kraftaufwand wieder ins Feld fahren. Darauf folgte ein weiterer Hinterradwechsel am Materialwagen zum passenden Laufrad. Wieder sah ich das Fahrerfeld davon ziehen und begab mich auf die Verfolgung. Kurz bevor ich den Anschluss endgültig herstellen konnte sah ich in einer schnellen Abfahrt zunächst stehende Autos, rote Bremslichter und schließlich eine geschlossene Bahnschranke vor mir. An diesem Punkt des Rennens, gebe ich ehrlich zu, war ich gedanklich schon auf dem Heimweg zum Duschen.

Als die Fahrt aus dem Stand weiterging fuhr ich zunächst aus Frust ein paar Minuten am Anschlag und bekam dann mit, dass Roger Kluge (Team Orica Scott) noch bei mir war. Er hatte ebenfalls Defekt und musste an den Schranken warten. Von dort an begann eine 30 km lange Verfolgungsjagd, bei der ich eindrucksvoll erleben durfte was es bedeutet, so einen Riesenmotor und einen großen Kampfgeist zu besitzen wie der Worldtourprofi.

Tatsächlich gelang es uns nach 60 km an der Bergwertung Kalkwerk wieder ins Feld zu kommen. Schon jetzt war das auf und ab meiner Gefühle wechselhafter als eine Achterbahn. Das Gefühl in meinen Beinen dagegen ließ sich mit dem Wort "Schmerzen" dagegen leicht beschreiben. Doch mein Kampfgeist war nun auch geweckt und so spielte ich meine Streckenkenntnis aus und wagte Vorstöße vor der "Waschleite" und der "Himmelsleiter". Nebenbei erwähnt begleitete uns auch diesmal wieder gewitterartiger Regen. Auch die Beine meiner Konkurrenten schienen nicht mehr frisch zu sein und so kam es nach weiteren Anstiegen und vergeblichen Attacken vieler Fahrer zum Massensprint in Einsiedel. Etwa 35 Fahrer taten nun also das, was die wenigsten sportlichen Leiter und Zuschauer erwartet hätten. Sprinten bei solch einem selektiven Rennen.

In diesem konnte ich mich nicht mehr optimal positionieren und merkte auch auf der Zielgeraden wie viele Körner ich unterwegs sinnlos auf sächsischen Straßen verschleudern musste. Am Ende des Tages bedeutete dies Platz 14 für mich. Fabian und Sandro (beide nicht als Bergziegen bekannt) beeindruckten mit großem Kampfgeist und sicherten unserem Team, mit den Plätzen 26 und 43 den 5. Platz in der Tagesteamwertung.

Genug der Worte und Zahlen, schaut euch den Bericht vom MDR an, denn er bringt wie ich finde die Emotionen dieses Tages gut zum Ausdruck. Wer mich ein bisschen kennt weiß genau, was an diesem Tag in mir vorging und wie schwer es mir gefallen ist nicht die Contenance zu verlieren. Aber wir haben als Team auch diese Krise gemeistert und das Mannschaftsergebnis gerettet, worauf ich dann doch stolz bin.

In der Hoffnung, dass meine nächsten Berichte weniger spektakulär werden...

Euer Jonathan

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16.05.2017 / team p&s
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